Straßen-Meisterschaften 2026: Eine Bühne für die Stars von morgen
Thüringen ist ein gutes Pflaster für Nachwuchsfahrer. Zwischen 2006 und 2013 gehörten die Talente des Thüringer Energie Teams unter Manager Jörg Werner zu den besten Mannschaften im deutschen und europäischen Radsport. Der Erfurter führte Tony Martin, John Degenkolb, Marcel Kittel oder Maximilian Schachmann an die internationale Spitze bei den Profis. Er weiß, wie man junge Fahrer optimal fördert und an große Aufgaben heranführt und zeigt dies aktuell mit dem German Junior Racing Team des Thüringer Radsportverbandes, das nicht nur national auftrumpft.
Hervorzuheben ist Lenny Karstedt, Gesamtsieger der Bundesliga 2025 und im letzten Jahr jeweils Bronzemedaillengewinner mit dem Bahnvierer bei den Welt- und Europameisterschaften. Dass der gebürtige Leipziger auch ein guter Kletterer ist, bewies er bei den Deutschen Bergmeisterschaften 2025, wo er ebenfalls Dritter wurde.
Karstedt konnte in dieser Saison bereits in der Bundesliga punkten, belegte Mitte Mai bei den Rennen in Waldburg und Bad Schussenried zweimal einen Podestplatz und liegt derzeit im Gesamtklassement ebenfalls auf dem zweiten Platz. Auch in der Mannschaftswertung ist das German Junior Racing Team TRV eines der besten, denn mit Max Jerzyna, Sieger des Wertungsrennens in Mittelbuch und Gesamtsieger des Oberschwaben Cycling Grand Prix, sowie Josse Dietrich, der die Punktejagd in Berghülen für sich entschied, bestimmt man das aktuelle Renngeschehen.
Bei den Deutschen Straßenmeisterschaften in Bad Liebenstein gehören die Fahrer des Thüringer Verbandes deshalb klar zu den Favoriten. Denn bei den Titelkämpfen in Thüringen, die vom 26. bis 28. Juni in Streufdorf (Zeitfahren) und Bad Liebenstein stattfinden, stehen nicht nur die Profisportler im Mittelpunkt. Auch der Nachwuchs rückt ins Geschehen. Insgesamt werden sechs Meistertitel in den Altersklassen U15, U17 und U19 jeweils männlich und weiblich vergeben.
„Das war für mich die Motivation, diese Meisterschaft überhaupt mit zu organisieren,” sagt Jörg Werner, der sich bereits vor vier Jahren bei den Nachwuchstitelkämpfen in Elxleben verantwortlich zeichnete. „Ohne eine solide Nachwuchsarbeit im Leistungssport haben wir irgendwann keine Profis mehr”, weiß der erfahrene Teammanager, dem es immer wieder gelingt, junge Talente zu sichten und sie erfolgreich aufzubauen. Und das weiß man auch beim deutschen Radsportverband German Cycling zu schätzen.
„Das ist die dritte Veranstaltung, bei der die Nachwuchsklassen im Rahmen einer Elitemeisterschaft ihre Titel austragen. Wir sind dem Thüringer Radsportverband dankbar, dass er das möglich macht,” sagt Günter Schabel, Vize-Präsident bei German Cycling. Der für den Leistungssport verantwortliche Funktionär weiß um die organisatorische Herausforderung eines so umfangreichen DM-Programms. „Das ist nicht einfach, alle Klassen auf demselben Rundkurs fahren zu lassen. Für den Nachwuchs ist es aber eine große Sache, an diesem Tag den Profis zu begegnen, auf derselben Strecke wie sie zu fahren,” so Schabel, der auch um den größeren Zuschauerzuspruch weiß. „Es werden weit mehr Zuschauer an der Strecke sein als bei einem reinen Nachwuchsrennen. Das motiviert die Jugendlichen.”
Die Wettbewerbe der Nachwuchsklassen beginnen am Samstag, 27. Juni, um 9:00 Uhr mit dem Start der U15 männlich. Sie beginnen in Brotterode und fahren, wie die wenig später ins Rennen gehende weibliche U15-Klasse, über 41 Kilometer. Das Ziel befindet sich in der Herzog-Georg-Straße in Bad Liebenstein.
Die Altersklasse U17 männlich fährt 81 Kilometer, die U17 weiblich 54. Beide Rennen starten und enden in Bad Liebenstein. Die Juniorinnen (U19) werden um 13:20 Uhr ins 81 km lange Rennen rund um Bad Liebenstein geschickt. Ziel ist gegen 15:40 Uhr.
Die Titelträger der Altersklasse U19 können ihr Meistertrikot nicht verteidigen, da sie inzwischen in die nächsthöhere Altersklasse aufgestiegen sind. Dafür rücken andere Fahrer und Fahrerinnen in den Blickpunkt, die in dieser Saison schon so manchen Erfolg einfahren konnten. Ihr Meisterschaftsrennen startet am Sonntag vor den Profis. Sie beginnen um 9:00 Uhr und sprinten nach 135 Kilometern gegen 12:30 Uhr über den Zielstrich in Bad Liebenstein.
Hoffnungen auf eine DM-Medaille macht sich Lokalmatador Lenny Karstedt, der derzeitige Zweite der Müller – Die lila Logistik Rad-Bundesliga, der im letzten Jahr bei der DM auf dem fünften Platz landete. „Die Saison verläuft bisher gut”, sagt Lenny Karstedt und freut sich auf die Titelkämpfe vor der Haustür. „Wir waren letztes Jahr zum Trainingslager dort. Das ist eine coole Runde, ziemlich bergig, aber das macht mir Spaß,” so der 18-Jährige, der bei der DM aufs Treppchen will. „Das ist mein Ziel,” sagt Karstedt.
Der große Konkurrent für ihn und seine Thüringer Mannschaft ist Karl Herzog, amtierender Straßen-Europameister und DM-Zweiter des Vorjahres. Ihm kommt die schwere Strecke durch den Thüringer Wald entgegen. Aber Lenny Karstedt ist zuversichtlich, den Heimvorteil nutzen zu können – und hofft auf die breite Unterstützung der Thüringer Radsportfans.