Von Streufdorf über Brotterode nach Bad Liebenstein

Die Deutschen Straßenmeisterschaften der Elite und des Nachwuchses finden in diesem Jahr im Grünen Herzen Deutschlands, im Thüringer Wald, statt. Streufdorf ist Schauplatz der Einzelzeitfahren der Elite und U23, in Bad Liebenstein werden die Straßenrennen entschieden. Diese Strecke führt u.a. auch durch Brotterode-Trusetal.

Bad Liebenstein

Bad Liebenstein gilt als das traditionsreichste Heilbad Thüringens und verbindet Natur, Geschichte und Erholung in besonderer Weise. Seit der Entdeckung der Heilquelle im Jahr 1590 entwickelte sich der Ort zu einem bedeutenden Kur- und Erholungsstandort. Das historische Kurviertel mit seinen klassizistischen Gebäuden prägt das Stadtbild ebenso wie die markante Burgruine, die über der Stadt liegt.

Ein besonderes Merkmal ist die landschaftliche Gestaltung mit Parks und Gärten. Besonders bekannt ist das Ensemble aus Schloss und Park Altenstein, das zu den bedeutendsten Parkanlagen Thüringens zählt.

Zahlreiche Wander- und Radwege erschließen die Umgebung und führen zu Aussichtspunkten, Tälern und historischen Orten im Thüringer Wald.

Auch im Sport hat Bad Liebenstein und die Region eine feste Verankerung. Weithin bekannt ist das Internationale ADAC Glasbachrennen. Auf Deutschlands längster und einer der sichersten Bergrennstrecken Europas fahren die schnellsten Motorsportler 5,5 Kilometer und 35 Kurven unter 2 Minuten hinauf. Etabliert hat sich auch das in Volleyballkreisen bekannte Otto-Scharfenberg-Gedenkturnier sowie der Messerpokallauf.

Die größten Arbeitgeber sind die Rehabilitationskliniken mit rund 1.000 Betten. Gemeinsam mit dem Tourismus und den verbundenen Dienstleistungen prägen sie die Wirtschaftsstruktur der Stadt. Rund 80 Prozent der Arbeitsplätze entfallen auf diese Bereiche.

Bad Liebenstein liegt inmitten eines attraktiven Radwegenetzes zwischen dem Werratal-Radweg, dem Rennsteig-Radweg und dem Rennsteig-Mountainbike-Weg. Die Strecken bieten Touren für unterschiedliche Ansprüche – von entspannten Flussradwegen entlang der Werra bis hin zu sportlich anspruchsvollen Höhenrouten durch den Thüringer Wald.

Am Meisterschaftswochenende findet in Bad Liebenstein auch die traditionsreiche Hühnerkirmes statt, die sich bereits zum 125. Mal jährt. Ausgerichtet vom RGZV Steinbach stehen verschiedene Wettbewerbe rund um das Huhn im Mittelpunkt dieser Kirmes.

Brotterode-Trusetal

Brotterode-Trusetal liegt am Südhang des Thüringer Waldes und hat eine lange Tradition als Wirtschafts- und Tourismusstandort. Die Gemeinden des Trusetales wurden 1185 erstmals urkundlich erwähnt. Der heutige Ortsteil Brotterode wurde im Jahre 2011 in die Stadt Brotterode-Trusetal eingemeindet.

Ein landschaftliches Highlight ist die Tallage des Ortes, in der sich das kristallklare Wasser der Truse als rauschender Wasserfall in die Tiefe stürzt.

Neben Holzverarbeitung waren Eisenbergbau und -verarbeitung seit dem Mittelalter heimisch, daraus entwickelten sich im 19. Jahrhundert die Kleineisenindustrie und Drahtzieherei, die Tabakverarbeitung und später die Fahrzeugelektrik. Seit etwa 1900 wird Brotterode als Sommer- und Wintersportort aufgesucht. Der organisierte Wintersport begann 1905.

Unweit der Sommerrodelbahn beginnt eine der landschaftlich schönsten Radwege Thüringens, der Mommelstein-Radweg, der auf der Trasse der ehemaligen Bahnstrecke Schmalkalden–Brotterode errichtet wurde und voll asphaltiert ist. Für die 32 km lange Strecke sind eine solide Grundkondition und sichere Fahrtechnik wichtig, da einige Steigungen zu überwinden sind. Dafür wird man mit der atemberaubenden Landschaft des Thüringer Waldes belohnt.

Brotterode-Trusetal wird bei den Deutschen Meisterschaften zum Zuschauermagnet, denn dort kämpfen die Protagonisten um wertvolle Punkte für die Bergwertung. Die Zeit zwischen den einzelnen Ortsdurchfahrten kann das Publikum kurzweilig überbrücken, denn in Brotterode-Trusetal ist ein großes Fanfest geplant, das die Besucher bei Laune halten wird.

Radsportfans ist Brotterode-Trusetal von der Thüringen-Rundfahrt bestens bekannt. Der erfolgreiche Radprofi John Degenkolb feierte 2010 in Brotterode einen Etappensieg und legte damit den Grundstein zu seinem späteren Gesamtsieg in der Tour.

Streufdorf

Streufdorf ist ein Ortsteil der 1993 neugebildeten Gemeinde Straufhain im Landkreis Hildburghausen im südlichen Teil des Thüringer Waldes. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Streufdorf am 3. Februar 799 und gehört damit zu den ältesten Ansiedlungen Südthüringens. Dort befindet sich auch der Verwaltungssitz und hat sich seit 1990 zu einem modernen Kleinzentrum herausgebildet.

Die namensgebende Burg Straufhain, früher Burg Struphe genannt, war vor etwa 1000 Jahren das größte Machtzentrum in der Region südlich des Thüringer Waldes. Ab dem 14. Jahrhundert verlor der Straufhain dann nach und nach seine Bedeutung als Burg des herrschenden Adels. Zum Raubritternest heruntergekommen wurde die Burg, vermutlich während des Bauernkrieges, von aufständischen Bauern zerstört.

Obwohl Streufdorf nur wenige hundert Einwohner zählt, blickt der Ort auf eine Radsport-Tradition zurück, die manche größere Stadt nicht zu bieten hat. Die große Unterstützung des Ortes und des gesamten Landkreises Hildburghausen zeugt von großem Engagement und Begeisterung für den Radsport.

Schon vor 20 Jahren gastierte die Thüringen-Rundfahrt in Streufdorf und kein geringerer als der 35-fache Tour-de-France-Etappensieger Mark Cavendish gewann diesen Abschnitt. Gesamtsieger der Tour wurde damals übrigens Tony Martin, der zehn Jahre später in Streufdorf seinen sechsten von insgesamt zehn deutschen Meistertiteln im Einzelzeitfahren gewann. Vor zwei Jahren richtete Streufdorf ein Bundessichtungsrennen aus und 2023 in Straufhain die Deutschen Meisterschaften im Einzelzeitfahren der Altersklassen U17.

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